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Politik für Alle

by Bernhard Lösch last modified 14. 06. 2006 18:54

Oskar Lafontaine: Politik für Alle. gebundene Ausgabe Econ 2005 ISBN: 3430159490

Oskar Lafontaine war lange Zeit sehr erfolgreich darin, sich in seiner Partei und darüber hinaus Gehör und Gefolgschaft zu sichern. Er ist von wachem Verstand, analytischer Schärfe, strategischer Finesse und unbändiger Energie. Schade eigentlich, dass er -- wohl eben wegen dieser Energie -- immer ein wenig über das Ziel hinausschießt. Die beiden ersten Bücher nach seiner Demission als SPD-Vorsitzender und Finanzminister, mit denen er die plötzlich entstandene politische Leerstelle in seinem Leben mit großem Erfolg (und großer Auflage) ausfüllen konnte, haben offenbar seinen Hunger nicht gestillt, der Partei und dem Wahlvolk zu beweisen, dass sie an ihm hätten genesen können. Vielleicht ist Politik für alle auch deshalb thematisch so überladen, weil er dies eben wirklich allen zeigen will. Vielleicht hofft er ja, dass sie ihn doch noch einmal rufen, jetzt, wo sonst niemand mehr ein noch aus zu wissen scheint?

Irgendwie handelt Lafontaine in seiner "Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft" jedes, wirklich jedes politische Gegenwartsthema ab. Doch vor allem ist es ihm um die soziale Gerechtigkeit zu tun. Und, ob man will oder nicht: Seine Bestandsaufnahmen bringen manches bedrückend einfach vielleicht, aber treffend auf den Punkt. Die auch im eigenen Interesse kurzsichtige Zügellosigkeit unserer Wirtschaftsführer etwa, findet man sonst nur selten so schnörkellos in Ursache und Wirkung beschrieben wie hier. Nur den Weg heraus aus der Misere, den weiß auch Lafontaine nicht zu weisen. So einfach nämlich, wie man sich im Wald verirrt, findet man eben in aller Regel nicht heraus. Dies aber scheint der Autor zu glauben. Weshalb also sollte man ihn rufen? Die Lektüre seines Buches aber kann trotzdem bei eigenen Orientierungsüberlegungen nur hilfreich sein. Gleichwohl: Thematische Begrenzung und gedankliche Fokussierung hätten dem Unternehmen nicht geschadet. -- Hasso Greb

Eine grundsätzliche Kritik der Position Oskar Lafontaines hat Josef Reindl im Freitag Nr. 25 veröffentlicht.

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