Politik für Alle
Oskar Lafontaine: Politik für Alle. gebundene Ausgabe Econ 2005 ISBN: 3430159490
Oskar Lafontaine war lange Zeit sehr
erfolgreich darin, sich in seiner Partei und darüber hinaus Gehör und
Gefolgschaft zu sichern. Er ist von wachem Verstand, analytischer Schärfe,
strategischer Finesse und unbändiger Energie. Schade eigentlich, dass er --
wohl eben wegen dieser Energie -- immer ein wenig über das Ziel
hinausschießt. Die beiden ersten Bücher nach seiner Demission als
SPD-Vorsitzender und Finanzminister, mit denen er die plötzlich entstandene
politische Leerstelle in seinem Leben mit großem Erfolg (und großer
Auflage) ausfüllen konnte, haben offenbar seinen Hunger nicht gestillt, der
Partei und dem Wahlvolk zu beweisen, dass sie an ihm hätten genesen können.
Vielleicht ist Politik für alle auch deshalb
thematisch so überladen, weil er dies eben wirklich allen zeigen will. Vielleicht hofft er ja, dass sie
ihn doch noch einmal rufen, jetzt, wo sonst niemand mehr ein noch aus zu
wissen scheint?
Irgendwie handelt Lafontaine in seiner "Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft" jedes, wirklich jedes
politische Gegenwartsthema ab. Doch vor allem ist
es ihm um die soziale Gerechtigkeit zu tun. Und, ob man will oder nicht:
Seine Bestandsaufnahmen bringen manches bedrückend einfach vielleicht, aber
treffend auf den Punkt. Die auch im eigenen Interesse kurzsichtige
Zügellosigkeit unserer Wirtschaftsführer etwa, findet man sonst nur selten
so schnörkellos in Ursache und Wirkung beschrieben wie hier. Nur den Weg
heraus aus der Misere, den weiß auch Lafontaine nicht zu weisen. So einfach
nämlich, wie man sich im Wald verirrt, findet man eben in aller Regel nicht heraus. Dies aber scheint der Autor zu
glauben. Weshalb also sollte man ihn rufen? Die Lektüre seines Buches aber
kann trotzdem bei eigenen Orientierungsüberlegungen nur hilfreich sein.
Gleichwohl: Thematische Begrenzung und gedankliche Fokussierung hätten dem
Unternehmen nicht geschadet. -- Hasso Greb
Eine grundsätzliche
Kritik der Position Oskar Lafontaines hat Josef Reindl im Freitag Nr.
25 veröffentlicht.

